Bild: Ralf Krieger
Frecher Tanz, fetziger Rock: In eine verruchte, rote Lasterhöhle verwandelte sich die Bühne während der Premiere von "Creatures".

Viel Bauch, Beine und Busen



„Creatures“ mit viel Kreativität auf die Bühne gebracht.

„So'n geiles Stück hab' ich noch nie auf der Bühne gesehen“, sagte der jugendliche Zuschauer zu seiner jugendlichen Begleiterin auf dem Weg nach Hause. Wir wissen nicht, was der junge Mann auf der Bühne des Landrat-Lucas-Gymnasiums schon an Stücken gesehen hat, aber „geil“ war die jüngste Schulproduktion, die am Mittwochabend Premiere hatte, in der Tat. Geil in allen möglichen Wortbedeutungen.

Frivol und kess gaben sich die Darstellerinnen und die Darsteller. Sie zeigten Bauch, Bein und Busen. Das Verruchte passte zum selbstgeschriebenen Stück. Ist es Traum oder Wirklichkeit, was Jad und Branet nächtens zustößt? Die beiden züchtigen Verlobten, „zwei Prüde aus Burscheid“, verbringen eine Nacht miteinander, er rechts, sie links, viel Platz dazwischen, bloß nicht berühren ist ihre Devise. Doch die Lust zwickt sie und sie träumen - von liebenswerten Horror-Kreaturen, die zur Rock-Musik abzappeln und absingen, dass den beiden die Sinne schwinden und sie nicht mehr wissen, was und wer oben, unten, links und rechts ist.

„Lebe deinen Traum“ heißt das Motto, und weil diese Richtlinie ins Schülertheater verpackt ist, kommt die „Lebensmoral“ dann eben doch nicht zu kurz.

Ein Riesenaufgebot an Tänzerinnen, an Musikern, an Sängerinnen und Schauspielern fügte sich zur witzig-spritzigen „Creatures“-Produktion. Theaterkursus, Tanztheaterkursus, Mittelstufenband, Chor und Leistungskurs Kunst wirkten mit. Mit hinreißender Spiellust waren alle, nicht nur die Solisten, bei der Sache. So gespickt mit herausragenden Darstellern ist diese Gruppe, dass Doppelbesetzungen in den acht Hauptrollen möglich waren. Eine ähnlich dichte, in manchen Teilen professionell aufgedrehte Ensemble-Leistung gab es zuletzt in „Hair“, und das ist schon ein paar Jährchen her.

„Creatures“ ist ein Geschenk der Landrat-Lucas-Schule an Emmy Kühnert. Die Chorleiterin und Musiklehrerin, die seit 1971 in Opladen unterrichtet hat, ist zwar seit Februar bereits im Ruhestand, doch das Stück basiert auf ihrer Idee.

Die Aufführung belegt die Erfahrung der Musikpädagogin beispielhaft: Das Kreative habe im Unterricht zugunsten der klassischen Bildungsziele zugenommen, sagte sie im Gespräch. Einfallsreich, phantasievoll zeigten sich die Schüler der Ober- und Mittelstufe noch während der letzten Proben. Da wurde aus der 70er-Jahre-Droge LSD der „Lucas -Sitten-Dienst“. Eine hübsche Idee. Wie überhaupt die abgedrehte Gesellschaft dort oben auf der Bühne nicht mit augenzwinkernden Anspielungen zur Schulwirklichkeit geizt.

Emmy Kühnert hatte den Eltern-Lehrer-Schüler-Chor des Gymnasiums gegründet und geleitet - ein Ensemble, das Konzertreisen ins In- und Ausland unternahm und dessen ehemalige Mitglieder sich bis heute in unregelmäßigen Abständen treffen. Einer der Schwerpunkte ihrer Arbeit war der Austausch und der Kontakt mit israelischen Schülerinnen und Schülern. Natürlich war sie Ehrengast während der Premiere. Wie oft sie selbst dort oben auf der Bühne stand, dirigierte und arrangierte - sie weiß es nicht.

Weitere Aufführungstermine: Montag, 5. Juli, Dienstag, 6. Juli, Donnerstag, 8. Juli, und Freitag, 9. Juli, jeweils 19.30 Uhr in der Schulaula.