Geschichts-Unterricht am LLG
Tamar Dreifuss zu Besuch im Landrat-Lucas-Gymnasium
Gedenkabend zur Reichspogromnacht in Quettingen
Ein Bericht von Elisabeth Rosenfelder,
Lehrerin der Klasse 6e am Landrat-Lucas-Gymnasium
Können 9-11jährige Kinder sich mit dem Holocaust beschäftigen?
Ja, sie können es - und alle anwesenden Erwachsenen kamen ins Staunen darüber,
wie stark sie sich einfühlen, mitfühlen können.
Tamar Dreifuss wurde als Kind gerettet - ihr und ihrer Mutter gelang die Flucht
aus dem Lager auf wundersame Weise, später überlebten sie in Litauen die Bedrohung
durch Soldaten, indem beide sich in einer Hundehütte versteckten
und von dem großen gefährlichen Hund Tigris beschützt wurden.
Über 'Die wundersame Rettung der kleinen Tamar' gibt es ein großartig gestaltetes Bilderbuch,
das nach den Erinnerungen von Tamar Dreifuss ihre Geschichte in Bildern und Texten erzählt.
Dieses Buch hatten die Klasse 4c der Remigius-Grundschule in Leverkusen-Opladen
und die 6e des benachbarten Landrat-Lucas-Gymnasiums im Unterricht angeschaut und gelesen.
Briefe an Retter wurden geschrieben, Bilder gemalt:
was würde man selber in einem kleinen Koffer mitnehmen, wie ihn Tamar für ihre Flucht packen musste?
Und dann kam sie selber in die Schule, begleitet von ihrem Mann Harry,
einer Journalistin, die über dieses erstaunliche und ermutigende Leben eine Lilipuz-Sendung macht,
und von Adrian Stellmacher, der mit viel Engagement an der Entstehung des Bilderbuchs beteiligt war.
Zuerst las Tamar aus den Erinnerungen ihrer Mutter vor und erzählte vom Leben
in Wilna vor dem Überfall der Deutschen, sprach mit den Kindern -
die zum Teil wenig, zum Teil erstaunlich viel über das Judentum wussten -
vor allem über die jüdischen Feste.
Sie zeigte Bilder und mitgebrachte Gegenstände - einen Granatapfel,
einen Chanukka-Leuchter und ein Widderhorn, in das die Schüler sogar blasen durften.
Ganz lebhaft wurde es, als Tamar ein Lied vorsang und mit den Kindern übte:
'Shalom, shalom, le erez Israel' -
das wurde zum Abschluss auch noch einmal gemeinsam gesungen - mit vollem Einsatz!
Kaum zu bremsen waren die ca. 60 Kinder, als sie Fragen zu dem Buch stellen konnten.
'Haben Sie während Ihrer Flucht jemals gelacht?'
'Hatten Sie Unterhaltung auf dem Bauernhof?'
'Warum hat der Nazi, der bei Ihrer Tante einquartiert war, Sie nicht verraten?'
'Haben Sie sich jemals gewünscht, kein Jude zu sein?'
'In welcher Situation hatten Sie am meisten Angst?'
Und mitten unter ihnen saß Tamar, die überlebt hat,
und beantwortete alle Fragen geduldig, ehrlich, oft nach längerem Nachdenken.
Wenn es nicht zum Unterrichtsschluss geklingelt hätte, wäre das sicher noch lange so weitergegangen.
Zum 9. November werden die beteiligten Kinder mit ihren Lehrerinnen,
dem Klezmer-Ensemble und Kinderchor der Leverkusener Musikschule
und mit Tamar Dreifuss als Zeitzeugin einen Gedenkabend veranstalten.
Auf ihren Wunsch wird am Anfang das Lied 'Die jiddische Mamme' für ihre Mutter erklingen.
Im Mittelpunkt wird eine Lesung mit anschließender Zeitzeugenbefragung stehen -
zum Gedenken und zur Ermutigung.
Veranstaltungsort: Evangelische Kirche 51381 Leverkusen-Quettingen, Kolberger Straße 1 am 9.11.2010 um 19:00 Uhr
[Plakat]
eROS .:. mZMK
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