Sowi-Schüler beim European Forum in Písek, TschechienOb wir Lust hätten, an einem Wettbewerb des Europäischen Jugendparlaments (EJP) teilzunehmen, fragte Herr Schieren unseren Sowikurs. Es sei der anspruchvollste Wettbewerb, den er kenne. Das Thema lautet: Democracy in Brussels – Vox Populi or vox company? How can the EU consider both public and private interests in the legislative process without producing a lack of democracy? Auf Englisch? Die Begeisterung darüber hielt sich zunächst in Grenzen. Auch mit dem Europäischen Parlament verband ich nichts allzu Spannendes. Doch heute weiß ich, dass das Europäische Jugendparlament eine Organisation ist, die es Jugendlichen ermöglicht, national und international über europäische Themen wie Klimaschutz, Menschenrechte und Wirtschaft zu diskutieren. Der dabei stattfindende Austausch war eine großartige Erfahrung. Aber der Reihe nach. Letztendlich fanden sich acht Schülerinnen und Schüler der Stufe 12, die an dem Projekt arbeiten wollten. Der Wettbewerb bestand im Schreiben einer Resolution. Das heißt, es mussten auf zwei Seiten bestehende Zustände dargestellt und Lösungen (sozusagen ein Zukunftsszenario) entworfen werden. Wir klärten das Thema, informierten uns, recherchierten, schrieben Texte und arbeiteten einige Nachmittage in den Computerräumen an einer adäquaten Resolution. Was heißt eigentlich Vox Populi? Wie kann die Demokratie in der EU gestärkt werden? An welchen Stellen haben Lobbygruppen zu viel Macht? Wie kann man das ändern? Gerade noch rechtzeitig fertig geworden, schickten wir die Resolution ab; dann hieß es warten. Zwar gehörten wir nicht zu den ganz großen Gewinnern, aber immerhin hatten wir einen stolzen 15. Platz erreicht! Mit dieser Platzierung wurde es uns ermöglicht, an einem internationalen Treffen des EJP teilzunehmen. In Gruppen würden wir dort eine Woche lang an einer weiteren Resolution arbeiten.
Für uns – Valentin Maus, Jonas Neldner und Nathalie Steffens – ging die Reise nach Písek in Tschechien, der Stadt mit der zweitältesten Brücke Europas, was uns dort immer wieder voller Stolz erklärt werden würde. Vor unserer Fahrt wurden wir mit E-Mails bombardiert, in denen Infos zum Dress Code und zu unseren inhaltlichen Aufgaben verschickt wurden, und doch wussten wir, bevor wir dort waren, nicht wirklich was uns erwarten würde. Und dann: Wir kommen an und es heißt „Let me see your funky Chicken…“! Wir spielen lauter „lustige“ Gruppenspiele! Ich glaube, mehr muss ich gar nicht erzählen, um ein verständnisvolles Nicken zu erhalten, wenn ich sage, dass wir ziemlich verwirrt und irritiert waren. Das hatten wir uns irgendwie seriöser vorgestellt. Doch im Laufe des zweiten Tages verstanden wir langsam, was das sollte. Der Tag begann schon sehr früh. Wir fuhren in einen nahegelegenen Wald und lernten zum ersten Mal unsere Teammitglieder näher kennen. Es gab sechs Gruppen: economy, human rights, development, climate change, monetary affairs und education. Diese Gruppen warten bunt gemischt: Deutsche, Franzosen, Türken, Tschechen, Österreicher, Ukrainer und noch mehr. Der Teambuilding-Teil des Europäischen Jugendparlaments stand an. Wir sollten uns besser kennen lernen und deshalb spielten wir den ganzen Tag die erwähnten Spiele. Man kann, wie schon gesagt, den Sinn einiger dieser Spiele in Frage stellen, doch das Ziel uns einander näher zu bringen haben sie auf jeden Fall zu erreichen geholfen. Gleiches gilt für die Party, die es am Abend – an jedem Abend! – gab. Um zwei Uhr nachts ging es dann zurück in die Unterkunft, wo nur wenig Zeit für Schlaf bleib, obwohl nun der schwierigste Teil des EJPs folgte.
In den folgenden drei Tagen wurde es anstrengend, denn wir arbeiteten immer stundenlang an unserem jeweiligen Gruppenthema – unterbrochen nur vom Mittagessen und, natürlich, weiteren Gruppenspielen. Die Arbeit war an manchen Stellen ziemlich schwierig, da man vor allem fachspezifische Wörter aus dem Englischen brauchte, und man eben nicht einfach mal schnell wie im Unterricht alles auf Deutsch umschreiben konnte, wenn man etwas nicht wusste. Man hat aber auch enorm viel Neues von den anderen gelernt. Auch die Geschlossenheit in der Gruppe wurde immer stärker. Am letzten Tag dann kam es zur abschließenden Versammlung in einem Sitzungssaal, um die Arbeit der anderen Teams zu bewerten. Wie in einem echten Parlament stellte jeder seine vorher in der Gruppe verfasste Resolution vor, die dann anschließend von den anderen „attackiert“ wurde: mit kritischen Fragen oder Verbesserungsvorschlägen. Alles in einer offenen Diskussion, das heißt, die Gruppe der Resolution musste sich danach wiederum verteidigen. Zusammenfassend kann ich sagen, dass alle Resolutionen akzeptiert wurden, wir also alle gute Arbeit geleistet hatten. Auf diesen harten Teil der Arbeit folgte nun ein noch härterer: Die Verabschiedung. Die Wege der Einzelnen trennten sich wieder und wir vier fuhren zurück mit dem Auto nach Deutschland. Alles in allem kann man das Europäische Jugendparlament als super Erfahrung zusammenfassen. Es war eine tolle Gelegenheit, sein Englisch aufzufrischen und Jugendliche mit ihren Kulturen aus den verschiedenen Ländern kennen zu lernen. Es hat mir Mut gemacht und hat mir viele Erfahrungen mit anderen Menschen gegeben, so dass ich diese Erfahrung nur empfehlen kann – ich würde mich jederzeit wieder dafür bewerben. Jonas Neldner, Nathalie Steffens
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